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Meinungen & Interviews

Wen interessiert es schon, wen ich kenne und wen ich blöd finde?

12. November 2009 / Joerg Wittkewitz

Überall im Netz bekommt man jetzt zu hören, dass es gefährlich ist, sich bei SchülerVZ / StudiVZ oder anderen Netzwerken zu registrieren, weil dann jeder alles über einen wissen kann. Ist doch Quatsch! Na klar ist das Quatsch. Denn wer schreibt schon alle seine Geheimnisse ins Internet. Die erzählt man ja noch nicht mal seinen Geschwistern. Und wenn ihr auf einer Party jemanden cool findet, dann gebt ihr ihm oder ihr den ICQ-Alias oder die Handynummer.

Wenn ihr dann zu Hause seid, hat derjenige Euch schon bei Facebook oder SchülerVZ gefunden und will euch als Freund hinzufügen. Und dann schickt man sich coole Videos zu oder bewertet die Fotos der letzten Party. Aber der eklige Typ, der immer so herumgestänkert hat, der sieht auf den Fotos aus, als ob er nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. Diesen irren Blick möchtet ihr dann ins Netz stellen, damit alle sehen, wie doof der ist.

Eigentlich dürfen aber gar keine Fotos im Netz erscheinen, bei denen nicht alle erkennbaren Leute eingewilligt haben. Und wenn man jetzt noch per Kommentar über den komischen Typen ablästert, dann kann es schnell teuer werden. Was im normalen Leben kein Problem ist ­– er ist ja nicht anwesend – kann man im Netz jederzeit beweisen. Jeder Computer hat eine eindeutige Adresse im Netz, die heißt IP-Adresse (IP = Internetprotokoll) und die Anbieter kennen nicht nur die IP sondern auch noch mehr Daten zu den Nutzern, auch wenn deren Adresse falsch sein mag.

Nach dem Grundgesetz hat jeder das Recht auf eine freie Entfaltung seiner Persönlichkeit – also auch freie Meinungsäußerung – wenn er oder sie nicht die Rechte anderer verletzt. Man nennt dies das „allgemeine Persönlichkeitsrecht“. Es schützt unsere Freiheit, sodass wir zwar mal so richtig unsere Meinung sagen können, wo und wie wir wollen. Es schützt aber auch die, über die diese Meinung verbreitet wird. Denn ob man im eignen Zimmer etwas seinen besten Freunden erzählt oder ins Internet stellt, das ist ein himmelweiter Unterschied. Es ist dann öffentlich.

Die Freiheit endet dort, wo sich andere verletzt fühlen. Manche sind Mimosen und gehen schon zum Gericht, wenn irgendwo steht, dass jemand sie als “Blödmann“ bezeichnet. Das mag lächerlich klingen. Aber wenn einer in eurer Klasse immer wieder auf seiner Profilseite bei SchülerVZ Beschimpfungen und blöde Bemerkungen findet, dann ist das schon eine enorme Einschränkung der Freiheit und endet selten nur mit einer gerichtlichen Verwarnung.

Es ist wichtig, dass ihr es Lehrern, Sozialpädagogen oder Eltern meldet, wenn ihr merkt, dass sich ein paar Oberschlaue einen oder eine Schwächere ausgesucht haben, die sie im Netz mit Worten “fertig machen“ wollen. Auch vermeintlich lustige Fotos können denjenigen fertig machen, der in sehr misslicher Lage fotografiert wurde. Respekt ist ein Wort, das viele Leute gerne benutzen, wenn es darum geht, andere nicht zu stören. Vielleicht ist diese Wort viel zu groß. Denn es reicht eigentlich schon, wenn man keinem das antut, was man sich selber auch nicht wünscht. Hand aufs Herz, wer würde auf seinem Profil gerne den Kommentar “Versager“ lesen.

Was könnt ihr tun?

Wer einen blöde Kommentar oder ein ungewolltes Bild von sich entdeckt, sollte denjenigen der den Inhalt ins Netz gestellt hat direkt per E-Mail anschreiben und einen Bekannten in Kopie (CC) setzen. In der E-Mail solltet ihr demjenigen eine kurze Frist setzen, damit der Inhalt zügig verschwindet.

Erst wenn die andere Seite nicht reagiert, ist es ratsam zu einem Anwalt zu gehen. Noch besser sind diejenigen dran, die in einem Netzwerk sind, das über eine Meldefunktion (Alert) verfügen. Dann kann man den Anbieter des Netzwerks direkt bitten, die unerwünschten Bilder und Texte zu entfernen. Die Anbieter sind dazu verpflichtet, diese abwertenden Inhalte über Euch zu entfernen, wenn ihr das wünscht. Wie schnell die Anderen reagieren sollen, hängt vor allem davon ab, wie schlimm das Ganze ist. In ganz schlimmen Fällen kommt es sogar zu einem echten Schaden, weil der Ruf einer Person nachhaltig geschädigt wird. Das kann dann teuer werden – für den Schädigenden. Er muss unter Umständen Schadenersatz zahlen.

Eine anwaltliche Erstberatung kostet eure Eltern meist zwischen 50 und 100 Euro. Teilweise gibt es diese (z.B. bei HartzIV-Empfängern) auch kostenlos. Man sollte jedoch beachten, dass bei einem möglichen Gerichtsverfahren immer der Schuldige alle Kosten tragen muss – da können schnell ein paar Tausend Euro zusammen kommen. Wer also meint, er wäre zu cool dafür, seine Beschimpfungen aus dem Netz zu nehmen, der wird durch eine so genannte Unterlassungserklärung vom Anwalt letztmals gewarnt. Dann ist das Ersparte schnell weg – für ein paar beleidigende Worte oder ein unpassendes Bild.

Weitere Links zum Thema

  • iRights.info:Urheber und Persönlichkeitsrechte in sozialen Netzwerken
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Tags:

persönlichkeitsrechte


Eine Antwort zu “Wen interessiert es schon, wen ich kenne und wen ich blöd finde?”

  1. Blog für Medienkompetenz | TechBanger.de sagt:
    28. November 2009 um 05:32

    [...] wobei die technischen und rechtlichen Aspekte ebenfalls thematisiert werden sollen. In einem Artikel über Mobbing steht etwa: “Eigentlich dürfen aber gar keine Fotos im Netz erscheinen, bei denen nicht alle [...]

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