“Im Internet findet man ja lustige Sachen über Sie.” Mir wurde ganz anders. Ich hatte mich um einen Auftrag beworben und war von der Firma zu einem Gespräch eingeladen worden. Im Prinzip waren wir uns einig, alles schien zu passen – bis der Chef erzählte, dass er meinen Namen im Internet gesucht hätte und auf merkwürdiges Zeug gestoßen sei.
Was konnte er nur meinen? War mir etwa das passiert, wovor Karriereexperten warnen? Hatte ich meine Online-Reputation nicht im Griff? Hatte ich nicht dafür gesorgt, dass Suchmaschinen nur freundliche Jubelmeldungen über mich ausspucken?
Gegen solche Zweifel gibt es professionelle Hilfe: Gegen Geld scannen Firmen das Netz nach unliebsamen Einträgen und bieten an, für deren Löschung zu sorgen. Das Ausputzen funktioniert allerdings nicht immer. Denn was die Reputations-Retter auch selbst einräumen, wenn auch nicht immer ganz so deutlich: Sie können nichts selber löschen, sondern nur die Seitenbetreiber darum bitten.
Aber müssen Berufsanfänger alles Private aus dem Netz entfernen? Die Firmen, die damit Geld verdienen, lassen es so aussehen. Sie schüren Ängste bei Bewerbern: Stell dir nur vor, jemand findet das Foto von der Abi-Fahrt nach Mallorca! Die Unterschrift auf der Liste gegen Tierversuche oder Atomstrom von vor zehn Jahren! Das wäre ja peinlich, drohen diese Dienstleister. Das Netz vergisst schließlich nichts! Sorglos sei, wer nicht alle digitalen Spuren vernichte. Oder etwa nicht?
Natürlich nicht! Was ist schon dabei, in knapper Shorts auf der Abschlussfahrt am Strand zu feiern? Soll man etwa immer Anzug und Krawatte tragen? Und ist es nicht toll, wenn sich jemand im Alter von 14 Jahren nicht nur für sich selbst interessiert, sondern sich für etwas einsetzt? Warum sollte das eine Firma davon abhalten, jemanden fünf Jahre später einzustellen?
Ich denke: Je mehr Menschen mit dem Internet aufwachsen und in sozialen Netzwerken aktiv sind, desto mehr werden sich auch die Personaler in den Firmen an das Netz gewöhnen und auch aus eigener Erfahrung wissen, dass Menschen im Netz Privates austauschen und zur Schau stellen. Aber sie werden lernen, es zu tolerieren. So wie heute auch niemand mehr schräg angesehen wird, der nicht Hut und Anzug zur Arbeit trägt.
Niemand würde etwas dagegen sagen, dass der Betreiber eines Tattoo-Studios im Netz intime Piercings zur Schau stellt. Wie weit man den öffentlichen Exhibitionismus treiben kann, hängt auch von der gewählten Branche ab. Top-seriöse Bankberater tragen auch heute noch eher selten Jeans im Büro – obwohl das mit ihrer Qualifikation nichts zu tun hat.
Der Firmenchef, bei dem ich mich vorstellte, sah das zum Glück genauso. Er hatte nur sehen wollen, wie ich darauf reagiere. Den Job habe ich bekommen. Trotzdem habe ich anschließend etwas für meine Online-Reputation getan, meine Facebook-Einstellungen geändert, so dass nicht mehr alles öffentlich ist, und eine eigene Seite mit einem knappen Lebenslauf ins Internet gestellt.
Was könnt Ihr tun?
Bei Google, Bing und Co. nach Eurem Namen suchen und Euch fragen: Wie würde ein Personalchef oder Geschäftspartner darauf reagieren? Wenn unter den Suchergebnissen ein paar harmlose Partyfotos sind, muss nicht gleich Panik angesagt sein – die Mischung macht‘s. Dass Fotos und Daten aus sozialen Netzwerken in den Trefferlisten erscheinen, kann man meistens auf den jeweiligen Seiten in den Einstellungen zur Privatsphäre verbieten.
Nur wenn das Ergebnis ausschließlich aus derartigen Schnappschüssen besteht, sollte man sich über seinen Auftritt im Internet grundsätzlich Gedanken machen. Das heißt nicht, dass man sich alles gefallen lassen sollte. Gegen richtig unangenehme Bilder und Texte kann man sich natürlich wehren, notfalls mit einem Anwalt.
Weitere Links zum Thema:
- www.ichimnetz.de/2009/11/meinungsmache/wen-interessiert-es-schon-806/
- www.google.de/search?q=ole+reißmann
- www.ichimnetz.de/2010/01/frisch-auf-dem-tisch/facebook-richtig-nutzen-teil-3-1310/







Diesen Artikel finde ich sehr schwach.
Selbst wenn die Fotos im Netz keine Unterhosen oder Trinkfotos sind sagen sie einiges aus. Welches Bedürfnis hat Abgebildete sich zu präsentieren? Wie diskret ist er wenn er Bilder und andere private Dinge ins Internet stellt? Welche Musikrichtung wird präferiert und was sagt diese aus (Profiler von Firmwn ziehen da gewaltige Schlüsse draus)?
Leute die freizügig Daten preisgeben sind für einige Firmen schlicht ungeeignet weil Sie oft nicht wissen was Privat ist und was nicht. Wenn tausende junger Schüler und Studenten freizügig ihre Daten bei einem der größten Medienhäuser hinterlegen (Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck;StudiVZ/SchülerVZ) kann man durchaus bezweifeln ob diese Personen Diskret sein können.
Früher mussten sich Werbefirmen müssen Profile von so genannten Clienten anlegen und Adressen herausfinden.
Heute wird das alles ins Internet gestellt. Der Schutz des eigenen Bildes ist sogar so wichtig das es das Recht am eigenen Bild gibt das zum Beispiel vor unfreiwilliger Veröffentlichung schützen soll.
Es gibt eigens Firmen die sich darauf spezialisiert haben Profile von Bewerbern zu erstellen, die gab es auch früher schon aber deren Arbeit ist heute um einiges leichter Geworden.
Ich finde es erschreckend wie viele Menschen den Drang haben sich selbst im Internet zu publizieren. Deshalb wird niemand wichtiger oder besser, auch der Versuch sich mit den besten Bildern in den Mittelpunkt zu rücken schlägt unweigerlich fehl… denn das machen ja alle.
Ich würde mich freuen wenn der Autor sich zu meinem Kommentar äußern könnte.
Grüße
Heinz Anders
Hallo Herr Anders,
grundsätzlich sind wir ja der selben Meinung. Natürlich muss die Devise heißen, möglichst sorgsam mit der eigenen Präsenz im Internet umzugehen. Die meisten unserer Artikel haben genau diese Aussage.
Eines müssen wir dabei aber auch anerkennen: YouTube, SchülerVZ, Skype und Co. sind fester Bestandteil der heutigen Jugendkultur. Im Internet präsent zu sein, zu interagieren und zu publizieren, ist gang und gäbe. Mit 16 Jahren hat man eigentlich nur Privates zu kommunizieren und das „Personal-Branding“ folgt in dem Alter dann auch mal komplett anderen Maximen. Daran werden wir im Prinzip nicht viel ändern können.
Genauso habe auch ich mich verhalten, als ich jung war – nur das ich kein Internet „zur Hand“ hatte. Heute sieht das bei mir anders aus. Dass eine Entwicklung statt findet, ist völlig normal und auch legitim. Und mit Diskretion hat das nichts zu tun.
Ich glaube, von der „Web 2.0-Generation“ wird – durch die Bank weg – viel im Internet zu finden sein. Wir alle müssen uns an ein neues Maß an Freizügigkeit gewöhnen. Dass dies nicht heißt, dass das Veröffentlichen von Delirium-, Prügel- oder Sexfotos o.k. ist, sollte klar sein. Aber komplett an alten Maßstäben festzuhalten und zu glauben, ein Klassenfoto auf Flickr oder ein Kommentar in einem Umweltforum ruinieren gleich die ganze Karriere, ist ebenso überspitzt und nicht mehr zeitgemäß. Das wollten wir mit diesem Artikel mal gesagt haben.
Viele Grüße,
Tim
Dem kann ich fast zustimmen aber man Kann Skype als Messengerprotokoll das auch noch verschlüsselt ist nicht mit Communitys gleichsetzen. Ich lege auch keine alten Maßstäbe an aber durch das Internet sind Informationen Weltweit für jeden Verfügbar und das sollt aufhorchen lassen, das es immer Firmen geben wird die das dann ausnutzen werden. Den jungen erwachsenen sollte stets klar sein was sie da tun und ich hoffe Ihre Seite leistet einen Beitrag dazu.