Foursquare: Bin da, wer noch?

Beitrag vom 21. Januar 2010

Wo stecken nur wieder alle? Ein Blick aufs Handy liefert die Antwort. Kleine Programme zeigen an, wo sich die Freunde gerade aufhalten. Foursquare ist eines dieser mobilen sozialen Netzwerke, eine Art Twitter für Orte: Mit den Daten des GPS-Empfängers im Handy sucht das Programm automatisch die aktuelle Adresse heraus, und mit ein paar Klicks teilt man seinen Kontakten mit, wo man gerade ist.

Auf Wunsch schickt das Programm die Ortsinfos auch gleich an Twitter und Facebook, damit nicht nur die Foursquare-Freunde den Standort sehen und spontan vorbeikommen können. Vorbehalten sind den Foursquare-Nutzern aber zusätzliche Orts-Infos. Das Programm verrät, welche anderen Nutzer schon hier waren oder es gleichzeitig sind.

Außerdem zeigt es Tipps an, die andere Nutzer für den jeweiligen Ort hinterlegt haben. Etwa wann in der netten Bar Happy-Hour ist oder an welchem Tag man kostenlos ins Museum kommt. Foursquare versucht, zum jeweiligen Ort automatisch einen Tipp anzuzeigen – und will damit Menschen dazu bringen, etwas Neues auszuprobieren.

Wer sich regelmäßig an einem Ort “einbucht”, wird irgendwann Bürgermeister. Bis jemand anderes ihm den Titel streitig macht. Diverse Auszeichnungen – darunter für besonders viele Kinobesuche oder regelmäßige Abstürze in der Karaoke-Bar – sollen dazu anspornen, das Programm möglichst häufig zu nutzen.

Es bleibt nicht bei Tipps und virtuelle Abzeichen: Schon geben einige Cafés Kunden, die regelmäßig vorbeikommen und sich per Foursquare einbuchen, ein Getränk aus – zumindest in den USA, wo das mobile soziale Netz Anfang 2009 gestartet ist. Mehr als 200 unterschiedlichste Läden gewähren dort schon Rabatte. Damit belohnen sie ihre Kunden auch für die kostenlose Werbung, die sie durch die Foursquare-Meldungen bekommen.

Neben Foursquare, das von einem Start-up in New York betrieben wird, gibt es eine ganze Reihe “Location-based services” mit ähnlichen Funktionen: Loopt, Gowalla und Brightkite sind ähnliche Dienste. Ganz puristisch, ohne Abzeichen und Statusmeldungen, gibt es eine solche Anwendung auch von Google.

Spätestens hier könnte man aufhorchen: Einem Unternehmen wie Google, das ohnehin schon mehr über uns weiß als wir selbst, auch noch verraten, wo man wann und mit wem gewesen ist? Das will überlegt sein, zumal sich nicht nur Datenkraken für Bewegungsprofile interessieren, die solche Informationen zu Geld machen.

Auch Kriminelle schätzen die Ortsangaben. Das mussten die Hollywood-Stars Orlando Bloom, Megan Fox, Paris Hilton und Lindsay Lohan feststellen. Sie wurden von sechs jungen Leuten aus der Gegend zum Teil mehrfach bestohlen, berichtet der “Guardian“. Die “Bling Ring”-Gang schlug immer dann zu, wenn die Stars nicht zu Hause waren. Die Information hatten sie aus dem Internet.

Denn man der Welt auf Twitter und Co. mitteilt, wo man sich gerade aufhält, verrät man gleichzeitig noch etwas anderes: Nämlich wo man in dem Moment überall nicht ist. Die Diebe lasen einfach mit, wann der perfekte Zeitpunkt für einen Bruch gekommen war. Vor allem Schmuck erbeutete die Gang, insgesamt hat die Beute einen Wert von drei Millionen Dollar.

Wer zu Hause Diamanten aufbewahrt oder sich nicht vollkommen nackt machen will, kann bei Foursquare auf vollkommene Transparenz verzichten. So lässt sich fallweise entscheiden, ob die Ortsangaben auch an Twitter und Facebook durchgereicht werden. Denn diese Netzwerke geben Statusmeldungen unter Umständen auch gleich an Suchmaschinen weiter.

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Autor

Ole Reissmann

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