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Echtzeit-Web: Warum 2010 alles ganz schnell geht

12. Januar 2010 / Ole Reißmann

Genau in diesem Moment: Noch während die Erde bebte griffen Twitter-Nutzer am Samstag in Kalifornien zu ihren Handys. Die Nachricht vom Erdbeben stand kurz darauf nicht nur auf der Kurznachrichten-Plattform, sondern auch in den Trefferlisten von Google. Wer nach “Erdbeben” suchte, bekam die neuesten Tweets zum Thema angezeigt – sozusagen in Echtzeit, ohne große Zeitverzögerung.

Google und Microsoft bezahlen viel Geld, damit die Kurznachrichten schon Sekunden nachdem sie getippt wurden auch in den Ergebnissen der Suchmaschinen auftauchen. 25 Millionen Dollar soll Twitter für den Echtzeit-Zugriff bekommen. Auch von Seiten wie MySpace, Facebook und Jaiko bekommt Google kurze Textbotschaften.

Den knappen Statusmeldungen von Twitter, Facebook und Co. wird nichts weniger als die nächste Web-Revolution zugetraut. Die Nachrichten, meist nicht länger als 140 Zeichen, verändern derzeit die Kommunikation im Internet. Nach dem “social web”, dem Web 2.0 mit seinen sozialen Netzwerken und Blogs, rollt gerade die nächste große Web-Welle heran. Das Phänomen hat bereits seinen eigenen Namen bekommen: “real-time web”, Echtzeit-Web.

Twitter ist das beste Beispiel: Die kurzen Nachrichten, die oft Links auf Texte, Bilder und Videos oder Angaben zum Standort enthalten, lassen sich einfach und schnell ins Netz stellen. In einem konstanten Nachrichtenstrom rauschen sie über die Computer- und Handy-Displays der Nutzer. In Echtzeit lässt sich mitverfolgen, wen die virtuellen Freunde grüßen, gruscheln oder garstig finden, wo sie gerade sind und was sie machen.

In vielen Fällen lassen die Teilnehmer des Echtzeit-Webs die ganze Welt an ihren Botschaften teilhaben. Ihre Nachrichten werden Teil eines riesigen Kommunikationsflusses. Weil auch Profile und Freundeslisten oft sichtbar sind, im ganzen Netz oder zumindest für Freunde von Freunden, lässt sich auch navollziehen, wie Nachrichten in virtuellen Cliquen die Runde machen. Außerdem kann man erfahren, was in diesem Moment angesagt ist, ob auf der ganzen Welt, einer Stadt oder einer einzelnen Veranstaltung. Der Nachrichtenfluss lässt sich durchsuchen – zum Beispiel nach Erdbeben.

Dass die Nachricht vom Erdbeben in Kalifornien binnen Sekunden ihren Weg in den News-Feed eines Facebook-Nutzers am anderen Ende der Welt findet, ist an sich nicht weiter bemerkenswert – das Internet ist schließlich keine Entwicklung der vergangenen Jahre sondern aus den frühen Sechzigern.

Aber erst in den vergangenen Jahren haben sich schnelle Internet-Verbindungen und Funknetzwerke verbreitet, wurden neue Protokolle entwickelt, mit dem sich Daten zwischen Browsern und Webservern ständig synchronisieren lassen und kamen Internet-fähige Handys wie das iPhone und kleine Netbooks auf den Markt. Erst seitdem das Internet einfach und überall ist, schreibt “BusinessWeek” (Link2), fühlt sich das Internet nach Echtzeit an.

Start-ups experimentieren mit Echtzeit-Suche, suchen und bündeln aktuelle Themen im Netz und entwickeln spezielle Programme, die sich in den Nachrichtenfluss einklinken. Statusmeldungen, die von zuhause oder unterwegs abgesetzt werden, sind nur der Anfang: Die großen amerikanischen Techblogs, allen voran ReadWriteWeb, halten das “real-time web” für eines der wichtigsten Themen in diesem Jahr. Investoren suchen nach der nächsten Echtzeit-Innovation und nach Firmen, die neue Geschäftsmodelle für das Echtzeit-Web entwickeln.

Bald werden wir es selbstverständlich finden, dass eine Suche zum Thema “Erdbeben” nicht nur einen mehrere Monate alten Lexikoneintrag hervorbringt, sondern auch einen Newsticker mit Twitter-Updates und aktuellen Meldungen von Nachrichtenseiten. Und wenn etwas passiert, nachdem wir bereits auf “suchen” geklickt haben, kriegen wir es trotzdem mit. Denn die Trefferliste ist keine statische Seite mehr, die einfach nur an unseren Browser verschickt wurde.

Die Trefferliste ist eines unserer Fenster ins Echtzeit-Netz, sie aktualisiert sich fortwährend, ganz von alleine. Die Suche hört nie mehr auf.

Weitere Links zum Thema

  • ReadWriteWeb: The Real-Time Web
  • Spiegel Online: Twitter verdient an Internetsuche
  • BusinessWeek: Betting on the Real-Time Web
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Tags:

google, twitter


3 Antworten zu “Echtzeit-Web: Warum 2010 alles ganz schnell geht”

  1. Udo sagt:
    13. Januar 2010 um 11:35

    Diese Entwicklung hat das Potenzial alte Geschäftsmodelle wie
    die der Nachrichtenagenturen zu sprengen. Jeder wird zum Sender.

    Antworten
  2. Frank Wenz sagt:
    14. Januar 2010 um 14:09

    @ Udo Ich würde nicht grade sprengen sagen, aber die werden sich wandeln müssen.

    Zum Artikel: Man wird sehen, wie das Thema die Suche verändert. Bis dato müssen die Anbieter erstmal viel Datenmüll sinnhaft verarbeiten. Nur in spitzen Bereichen/Themen/Branchen hat das einen richtigen Mehrwert ggü trad Angeboten.

    Antworten
  3. Walter Schärer sagt:
    30. April 2010 um 21:23

    Die Geschichte mit dem Erdbeben in Chile war ja auch bezüglich der verfügbaren Informationen beeindruckend. Auf einer Seite wurde ein chilenischer Fernsehsender zusammen mit den entsprechenden Social Media Streams gezeigt. Eine geballte Ladung Informationen… http://e-byz.ch/community/informationsdichte-erdbeben-in-chile

    Und besonders beeindruckend wird das Echtzeit-Web, wenn man es mal am eigenen Browser erlebt hat mit einem eigenen Blog-Eintrag http://e-byz.ch/internet/das-echtzeit-web-ist-da

    Antworten

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