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Meinungen & Interviews

Virtuelle Identitäten: 12 Million tricksen im Netz

17. Februar 2010 / Ole Reißmann

Hans Dampf, Andi Bar und Sagich Nich, so nenne ich mich im Internet. Immer dann, wenn eine Website mal wieder meinen Namen, meine E-Mailadresse und sonst welche Daten haben will, die ich dieser Seite gar nicht anvertrauen will, gebe ich mir einen anderen Namen. Ich bin ein Trickser – und damit nicht alleine: Zwölf Millionen Internet-Nutzer in Deutschland machen Falschangaben im Web. Jeder Vierte! Das hat der Branchenverband Bitkom in einer Umfrage festgestellt.

Am häufigsten legen sich die Schummler einen neuen Namen und ein anderes Alter zu – und legen sich so mal eben eine neue Identität zu. Die meisten machen das aber nicht zum Spaß: Laut der Umfrage finden es 58 Prozent der Trickser suspekt, so viele persönliche Daten von sich im Netz preiszugeben. 48 Prozent wollen mit den Falschangaben nerviger Werbung entkommen.

Ich entscheide mich jedes Mal aufs Neue, ob ich meine Daten verrate oder meine Identität verschleiere. Bei Facebook und Xing benutze ich meinen echten Namen, damit mich Freunde und Kollegen im Netz wiederfinden können. Dort erlaube ich auch, dass meine Mitgliedschaft den Suchmaschinen verraten wird – und achte darauf, was ich praktisch der ganzen Welt über mich verrate.

Wenn ich aber nur eine neue Web-Anwendung ausprobieren will oder mir eine Seite eine Registrierung abverlangt, nur um Musik zu hören oder etwas herunterzuladen, benutze ich oft einen falschen Namen. Gerne auch eine Wegwerf-Mailadresse, die mit einem Klick eingerichtet ist und nur für ein paar Stunden funktioniert, damit ich an meine richtige Adresse nicht dauernd vollkommen langweilige und überflüssige Newsletter oder Spam-Mails bekomme.

Sollte ich auf die nicht ganz abwegige Idee kommen, ein Blog über Nasenhaare zu starten, würde ich mir auch überlegen: Soll es das sein, was im Internet mit meinem richtigen Namen gefunden werden soll? Als Nasenhaar-Stylist sicher keine schlechte Idee. Als Bankberater schon eher. Eine Mitgliedschaft im Selbsthilfe-Forum für nervende Schwiegermütter könnte unter richtigem Namen, so denn aufgedeckt, sogar äußerst unangenehme und direkte Folgen haben.

Was man besser nicht ausprobieren sollte: Teure Sachen unter falschem Namen bestellen oder mit einer Fake-Identität wüste Drohungen loslassen. Also alles, was die Strafverfolgungsbehörden auf den Plan rufen könnte – denn die besorgen sich IP-Adressen und Zugriffsprotokolle und stehen ganz schnell vor der richtigen Haustür.

Das Spiel mit wechselnden Identitäten kann aber nicht nur der Werbe-Vermeidung dienen. Bei Online-Rollenspielen, Flirtbörsen und Fantasy-Welten gehören ausgedachte Namen dazu. Wie überhaupt zum Internet: Dass sich etliche Millionen Menschen mit ihrem richtigen Namen in sozialen Netzwerken tummeln, war in den Anfangsjahren des Internets nicht abzusehen. Damals war man viel mehr fasziniert von der Möglichkeit, sich als jemand ganz anderes auszugeben.

Heute als Professor im Netz unterwegs, morgen als knuddeliges Alien oder großäugige Comicfigur – was heute in speziellen Bereichen des Netzes wie SecondLife seinen Platz gefunden hat, war damals durchaus üblich. Wer auch immer sich hinter “nörg” auch verbarg, im Netz zählten Herkunft und Aussehen plötzlich keine Rolle mehr.

Selbst ein Geschlechtertausch lässt sich mit wenigen Klicks bewerkstelligen – doch bei der Umfrage gaben nur 14 Prozent an, sich schon einmal virtuell von ihrem biologischen Geschlecht gelöst zu haben. Gut möglich aber, dass die Frage den Teilnehmern der Studie einfach zu privat war – und sie lieber eine Falschangabe gemacht haben. Im Internet ist das schließlich auch üblich.

Was könnt Ihr tun?

  • Wegwerf-Mailadresse benutzen für Registrierungen, die man später doch nicht mehr braucht.
  • Mit dem Fake Name Generator mit ein paar Einstellungen ein neues Profil erstellen – inklusive Namen, Adresse und E-Mailadresse.
  • Logins und Passwörter für Seiten, bei denen man sich nicht registrieren möchte, auf der Seite BugMeNot (“Nerv mich nicht”) nachschlagen.
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