Wenn es um die Karriere geht, wird das Ich im Netz immer wichtiger. Personalabteilungen und Personalberatungen prüfen ihre Bewerber zunehmend im Internet. Manchmal entscheidet dann ein zu freizügies Foto oder eine anstößige Statusmeldung, ob derjenige zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, oder eben nicht. Wir haben uns zu diesem Thema mal mit einem unterhalten, der es wissen muss: Jo Weber, Partner der CONSIDERO Executive Search, Köln.
Viele Jugendliche geben im Internet teils sehr viel Persönliches über sich preis. Recherchieren Sie zusätzlich zu den Bewerbungsunterlagen im Internet über Ihre Bewerber? Wenn ja, welchen Einfluss hat die Online-Präsenz des Bewerbers auf das weitere Bewerbungsverfahren?
[J. Weber]: Online Präsenz hat einen sehr, sehr großen Einfluss auf Bewerbungen bzw. auf Stellenvermittlungen – sowohl aus Sicht eines Bewerbers, wie auch aus der Sicht eines Unternehmens oder einer Personaldienstleistung. So wie der Bewerber sich über Unternehmen oder Personaldienstleister im Internet informieren kann, können diese sich auch in den meisten Fällen über Bewerber oder potenzielle Kandidaten im Internet informieren.
Können Sie uns verraten, wie Sie bei Ihrer Recherche vorgehen?
[J. Weber]: Es gibt viele Wege. Bezogen auf das Internet suchen wir häufig nach Kandidaten über Business Communities wie „xing“ oder „Linkedin“. Wenn wir dort interessante Kandidaten gefunden haben, schauen wir, ob diese in „facebook“, „stayfriends“ oder anderen Netzwerken sind. Leider fallen dann viele, zunächst seriös wirkende Kandidaten, durch sehr freizügige private Bilder auf und werden für uns uninteressant.
Wie beurteilen Sie persönlich das was Sie z. B. im letzten Jahr von Ihren Bewerbern im Internet gesehen haben? Hat sich in den letzten Jahren hierbei etwas verändert, z. B. gehen Bewerber heute bewusster mit dem Internet um als früher?
[J. Weber]: Ja, Bewerbern für Fach- und Führungspositionen ist bewusst, dass sie im Internet transparent werden und gehen deshalb bewusst mit Einstellungen um. Aber in manchen Fällen bin ich immer noch entsetzt, wie ahnungslos Informationen ins Netz gestellt werden. Es ist schon schwierig genug Bilder oder Berichte, die Freunde und Bekannte von einem – möglicherweise weil sie es amüsant finden – ins Netz stellen zu kontrollieren, da sollte man selber nicht auch noch mitmachen.
Ich möchte aber nochmals betonen, dass es sehr sinnvoll ist, in diesen Netzwerken präsent zu sein und diese auch für eigene Recherche zu nutzen. Mitglieder die anzeigen, dass sie für eine bestimmt Firma arbeiten, kann ich fragen, wie sie die Arbeit oder die Firma beurteilen. Wie ist es auf einer bestimmten Schule oder einer Universität? Wie kommt man dahin? Erfahrungsberichte unter Gleichgesinnten können Entscheidungen valider machen.
Wie sieht in Ihren Augen das optimale „Ich“ eines Bewerbers im Netz aus?
[J. Weber]: Der Unterschied zu einer Darstellung in einer Business Community darf nicht zu stark abweichen von der Darstellung in einer Privaten Community. Eine Business Community hat fast die Relevanz eines Lebenslaufs, dazu gehören auch seriöse Fotos, in manchen Branchen aber auch kreative Bilder. Auch in Private Communities gehören keine Berichte oder Bilder von exzessiven Partys und erst recht keine aufreizenden Bilder oder Texte. Stellt immer das ein, was Eure Lehrer, Eure Eltern oder Euer Unternehmen ruhig sehen dürfen – und auf keinen Fall sagen „das ist mir egal“.
Was sollten Bewerber Ihrer Meinung nach unbedingt vermeiden?
[J. Weber]: Immer dran denken – das Internet vergisst nichts! Auch nach Jahren können noch Berichte und Bilder gefunden werden, selbst wenn diese auf der eigenen Page längst gelöscht sind. Durch Kopien, Weiterleitungen und Bearbeitungen bleibt alles irgendwo gespeichert.
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Die CONSIDERO Executive Search vermittelt seit zehn Jahren qualifiziertes Fach- und Führungspersonal. Alle Partner der CONSIDERO haben langjährige, operative und ergebnisverantwortende Führungserfahrung in der Branche, in der sie heute vermittelnd tätig sind. Ich persönlich betreue die Branchen Telekommunikation, Internet, IT, Energie, Consumer Electronics und Textil.




