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Internet & Karriere

Die anonyme Bewerbung

1. September 2010 / Dario Wilding

Was in den USA schon lange gang und gäbe ist, wird nun auch in Deutschland getestet. Ab diesem Herbst startet das Bundesfamilienministerium unter der Leitung von Kristina Schröder einen einjährigen Probelauf für die anonyme Bewerbung. Alle Bewerbungen an das Ministerium werden nur noch ohne Foto und persönliche Daten wie Nationalität, Geschlecht, Alter oder Religion akzeptiert. Nicht einmal der Name muss genannt werden.

Wie funktioniert das Verfahren?

Funktionieren kann die anonyme Bewerbung nur, wenn eine neutrale Stelle zwischen den Bewerber und das Unternehmen tritt und den Kontakt zwischen beiden herstellt. Im Falle des Familienministeriums wird diese Aufgabe vom Bundesverwaltungsamt übernommen, das die eingehenden Bewerbungen durch eine Maske anonymisiert und daraufhin an das Ministerium weiterleitet.

Was steckt hinter der anonymen Bewerbung?

Zunächst einmal soll durch sie zu allererst die Qualifikation des Bewerbers in den Vordergrund gerückt und Vorurteile abgebaut werden. So werden Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts, des Alters oder der Herkunft ausgeschlossen. Einzig und allein die fachlichen Kompetenzen sind ausschlaggebend. Dass derartige Benachteiligungen tatsächlich vorkommen können, soll eine Studie der Universität Konstanz festgestellt haben.

Zum Thema anonyme Bewerbung gibt es natürlich auch Gegenstimmen, die vor allem von Unternehmensseite stammen. So sei die anonyme Bewerbung mit einem wirtschaftlichen Mehraufwand verbunden, da die Bewerbung durch eine neutrale Person zunächst anonymisiert werden müsse. Außerdem – und darin liegt sicher der Hauptgrund – wollen sich Unternehmen ein vollständiges Bild vom Bewerber machen und dazu gehören auch das Geschlecht und das äußere Erscheinungsbild. Für den Bewerber biete eine vollständige Bewerbung die Chance, fachliche und soziale Kompetenzen zu betonen. Hierdurch sei es möglich, etwaige Vorurteile gleich in der Bewerbungsmappe auszuräumen, was jedoch ein eher zweifelhaftes Argument ist.

In den USA hat sich die anonyme Bewerbung im Übrigen aufgrund der strikten Diskriminierungsgesetze und der Angst der Unternehmen vor Klagen von abgelehnten Bewerbern und ist dort mittlerweile Standard.

Was haltet ihr davon?

Weitere Infos gibt es hier:

  • karrierebibel.de: Gesichtslos – das Für und Wider der anonymen Bewerbung
  • sueddeutsche.de: Familienministerium: Anonyme Bewerbung – Zuschriften bitte ohne Foto
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Eine Antwort zu “Die anonyme Bewerbung”

  1. Alex sagt:
    21. September 2010 um 15:48

    In den USA mag dieses System als solches sicher sehr gut funktionieren. In Dtl. habe ich da so meine Zweifel.

    Der Vorteil ist sicherlich für den Bewerber das er nur die Qualifkationen sieht. Nachteil ist, dass das nur eine Hälfte der Person ist. Anhand von anderen Merkmalen kann manch ein Arbeitgeber (Mittelstand) schon vorher Leute aussondieren, die zum bestehenden Team nicht passen würden. Wenn nun eben solche Punkte anonymisiert sind, entsteht dem Arbeitgeber Mehraufwand, da er deutlich mehr Personen einlädt auch viele die von vorn herein nicht ins Team oder in die Belegschaftsstruktur passen würden. Und der Arbeitssuchende hat womöglich einen anderen Termin für diesen nicht wahrgenommen und am Ende damit die falsche Entscheidung getroffen. Dies mag man als “Nachteil” für den Bewerber auslegen aber wenn man sich im Gespräch gegenübersitzt, würde dies so denke ich zum Großteil trotzdem dem Arbeitgeber Auffallen und zur Absage führen.

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