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Meinungen & Interviews

Safer Internet Day 2012: Medienbewusst.de

7. Februar 2012 / Dario Wilding

Medienbewusst.de ist eine deutschlandweite Informationskampagne, die sich die Sensibilisierung einer breiten Öffentlichkeit für das Thema „Kinder und Medien“ zum Ziel gesetzt hat. Das Projektteam von medienbewusst.de besteht aus Studenten der angewandten Medienwissenschaft an der Universität Ilmenau. Wir haben uns mit der Projektleiterin Julia Böhme unterhalten, die uns ihre Sicht auf das Thema Medienkompetenz schilderte:

Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen umfasst ja viele Themen. Wo liegen die Schwerpunkte bei medienbewusst.de?

Das redaktionell-betriebene Onlineportal medienbewusst.de umfasst sechs Rubriken, die folgende Schwerpunkte bilden: Fernsehen, Computer und Videospiele, Internet, Kino, Mobile Medien, Musik und Hörbücher. Darüber hinaus widmet sich das studentische, sehr engagierte Team von medienbewusst.de auch verschiedenen ressortübergreifenden Themen und Events rund um das Thema „Medien und Kinder“. Wir bieten interessierten Eltern und Pädagogen eine Orientierungshilfe im Umgang mit neuen Medien und möchten sie über deren Chancen und Risiken informieren. Inhaltlich wird dies durch unterschiedliche Darstellungsformen wie Produktkritiken, Interviews mit Medienexperten, -pädagogen und Prominenten sowie Berichte und Reportagen umgesetzt.
Computer- und Videospiele, Internet und Mobile Medien, speziell Soziale Netzwerke, Sicherheit im Netz und Datenschutz sind dabei Themen, mit denen sich die Initiative besonders auseinander setzt. Diese Medien sind bei Kindern und Jugendlichen sehr populär und fester Bestandteil im medialen Alltag.

Ihr Angebot richtet sich primär an Eltern und Pädagogen. Wie viel Schutz der Kinder ist nötig? Oder sollten sich Heranwachsende mehr ausprobieren nach dem Prinzip “learning by doing”?

Das Wort „Schutz“ ist nach unserer Ansicht in diesem Zusammenhang nicht optimal gewählt. Kinder und Jugendliche sollten vor neuen Medien nicht geschützt, sondern aufgeklärt werden. Aufklärung ist ein sehr wichtiger Punkt, wenn es um die Heranführung des Medienumgangs geht. Problematisch ist, dass Eltern und Lehrer teilweise über nicht genügend Wissen verfügen, um die Jugend über Chancen und Gefahren zu informieren. Ein anderer Punkt ist, dass sie über die unterschiedlichsten Informationsquellen Hinweise, Ratgeber, Broschüren und gutgemeinte Tipps bezüglich des Medienkonsums von Kindern und Jugendlichen erhalten.
Dort knüpft medienbewusst.de an, indem wichtige mediale Themen und Produkte für Eltern und Lehrer analysiert werden. Die Kunst dabei ist es, die für Eltern und Lehrer wichtigen Informationen zu filtern und einen Mittelweg zwischen „learning by doing“ und „beschützen“ zu finden. medienbewusst.de möchte Eltern und Lehrer mittels Tipps und Empfehlungen unterstützen. Außerdem informieren wir über aktuelle Trends und Entwicklungen in der Medienbranche und erläutern die Chancen und Risiken, die sich daraus für Kinder ergeben. Bei medienbewusst.de geht es daher weniger um Schutz einerseits, noch um „learning by doing“ andererseits.
Dennoch ist „learning by doing“ ist in diesem Zusammenhang nicht außer Acht zu lassen, denn nur durch den konstanten Umgang mit den Medien ergeben sich Medienkompetenzen. Eltern und Lehrer sollten Kinder aber nicht alleine lassen, sondern einen Überblick über die Nutzung haben und mit ihnen darüber reden.

Worin sehen Sie die größten Herausforderungen im Jahr 2012 für das Thema “Medien und Kinder” in Bezug auf die Internetnutzung, Medienkompetenz-Förderung und mehr Sicherheit im Web?

Aktuell bestimmen die sozialen Netzwerke die mediale und gesellschaftliche Diskussion. Diese öffentliche Diskussion war längst überfällig und es geht dabei längst nicht mehr nur um Facebook, sondern um die wesentlich grundsätzlichere Frage, wie zukünftig mit sozialen Netzwerken und Plattformen umgegangen werden sollte. Die Unsicherheiten betreffen dabei sowohl die Medienkompetenz von Kindern als auch datenschutzrechtliche Probleme. Immerhin wird durch diese momentane Debatte eine Sensibilisierung erreicht, wonach auch medienbewusst.de strebt. Es wird die Notwendigkeit deutlich, dass Kindern online nicht allein oder ohne vorherige Einführung unterwegs sein sollten. Diese Tatsache muss in Form von Medienbildung in andere Bereiche des Lebens, wie Kindergarten und Schule, integriert werden. Und darin sehen wir eine große Chance: Medienkompetenz-Förderung muss vor allem in den Schulen ein wichtigeres Thema und auch umgesetzt werden. Einige Schulen nutzen bereits die Vorteile von Sozialen Medien im Unterricht und klären darüber auf. Doch viele thematisieren gar nicht erst den Medienumgang.

Einmal in die Zukunft geschaut: Wie sieht die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen in fünf Jahren aus? Welche Entwicklungstendenzen würden Sie prognostizieren?

Die Mediennutzung von Kindern wird weiter zunehmen, insbesondere zugunsten des Internets und der sozialen Medien. Ob GPS, Fotos oder Kommentare: das Leben wird virtuell mehr gezeigt und dokumentiert. Erst kürzlich hat Google+ das Mindestalter von 18 auf 13 Jahre gekürzt, damit Jugendliche nun auch legal die Plattform nutzen können. Denn viele nutzten es auch „illegal“. Dies zeigt die Affinität zu den Social Networks.
Dabei werden einige Themen weiter in den Vordergrund rücken wie beispielsweise die Sicherheit im Internet: Werbung, Gewinnspiele, e-Commerce, soziale Netzwerke, überall werden persönliche Daten erhoben und offensichtlich sind sich viele Nutzer nicht bewusst darüber, was mit diesen Daten passiert und wer letztlich sein Geld damit verdient. In näherer Zukunft wird auch mit einer Novellierung des Jugendmedienschutzes zu rechnen sein, die diesen neusten Entwicklungen Rechnung tragen wird.

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