Facebook durchsucht automatisiert alle Nachrichten und Chats im Netzwerk: Diese neueste Skandal-Schlagzeile das Zuckerberg-Imperium betreffend hat sich in den letzten Tagen konsequent durch alle Medien gezogen. Wie an so manch anderer Stelle schon heißt es in der Begründung: Alles zum Schutze des Nutzers!
Und so soll die neue Technologie funktionieren. Facebook durchleuchtet Nachrichten nach bestimmten Suchbegriffen, die auf mögliche kriminelle Absichten schließen lassen, der Fokus ist nach einem Präzedenzfall in den USA besonders auf Pädophile gerichtet. Dazu gleicht das Netzwerk die Chats mit archivierten Unterhaltungen ab, auf die sexuelle Übergriffe gefolgt sind. In die Analyse fließen laut Facebook auch Daten zu den Personen und deren Beziehung zueinander ein. Insbesondere wenn ersichtlich wird, dass die Personen sich nicht real kennen, wird die Überwachung intensiviert. Weist die Auswertung der Daten auf einen Verstoß gegen die Facebook Richtlinien hin, wird ein Mitarbeiter benachrichtigt, der die Daten sichtet und dann beispielsweise an die Polizei weiterleitet.
Ausnahmsweise übt sich Facebook einmal in Selbstkritik und gibt zu, dass die Erkennungsrate, trotz des komplexen Überwachungssystems, sehr niedrig sei. Aus Datenschutzgründen bemühe man sich, zu verhindern, dass User irrtümlich verdächtigt werden, so Facebook. Bei 900 Millionen Nutzern dürften viele Irrtümer, die händisch von Menschen gesichtet werden müssen, auch eine Menge Geld kosten.
Abgesehen vom finanziellen Aspekt ist es doch sehr fragwürdig, dass Facebook alle Chats und Nachrichten im Netzwerk automatisiert durchsucht – de facto sind damit alle Big-Brother-Dystopien erfüllt. Einmal mehr verhalten sich die Netzwerk-Betreiber anmaßend, indem sie selbst die Rolle der Polizisten auf ihren Servern übernehmen. Dahingegen hat die echte Justiz bislang zumindest in Deutschland das Nachsehen. Als ein Jugendrichter in Reutlingen im Februar Einblick in einen Facebook-Account verlangte, wurde er von Facebook an die Behörden in Irland verwiesen, wo Facebooks Serverzentren für Europa stehen. Und die User? Die sind wie immer machtlos gegen die Machenschaften des Netzwerkriesen, es sei denn, sie wagen die Flucht aus der blauen Dynastie.
Weiterführende Infos unter:
- abendblatt.de: Facebook überwacht User und durchsucht Chat-Protokolle
- wiwo.de: Facebook überwacht Chat-Nachrichten
- internetworld.de: Aufdecken von Straftaten





