Online-Glücksspiele bergen Suchtgefahr für Minderjährige(Teil 2)

Online-Glücksspiele und -Sportwetten bergen eine Suchtgefahr auch für Minderjährige.
Beitrag vom 23. März 2017

Im Internet zu zocken ist schon verlockend. Deshalb sind Online-Glücksspiele und -Sportwetten bei vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein immer häufiger auftretendes Thema. Und die Hemmschwelle ist niedrig, wie wir am vergangenen Dienstag hier bei ichimnetz berichtet haben.

Spielsucht kann früh beginnen

Zwar muss man in Deutschland mindestens 18 Jahre alt sein, wenn man am Glücksspiel teilnehmen möchte. Der mögliche Einstieg in die Spielsucht kann jedoch schon früher beginnen. Ihr kennt das vielleicht auch: Ihr seid mit euren Eltern beim Einkaufen und an der Kasse heißt es: „Und dann nehmen wir noch ein Rubbellos“. Bei diesem Satz beginnen die Kinderaugen meist zu strahlen. Schließlich handelt es sich um eine spannende Angelegenheit, und die Hoffnungen auf einen hohen Gewinn steigen rasant an. Voller Vorfreude wird das erste Feld aufgerubbelt. Dann das Zweite. Bisher leider kein Gewinn und nur noch eine Chance auf den Hauptpreis. Jetzt nochmal Daumen drücken und voller Hoffnung das dritte Feld aufrubbeln. Und noch eine Niete. Der Kassierer bekommt das Los zurück und versucht euch aufzumuntern mit den Worten: „Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal“. Eine Floskel die sicherlich gut gemeint ist, sich jedoch besonders in den Köpfen der unter 15-Jährigen verankert. Und der Gedanke wächst, dass es irgendwann einmal mit dem Gewinn klappen muss. Schließlich ist der Tag da, wo endlich 10, 20 oder 30 Euro gewonnen werden. Das Glücksgefühl in diesem Moment? Enorm! Der bis dahin verlorene Einsatz gerät völlig in Vergessenheit. Und genau das macht das gesamte Glücksspielkonstrukt so gefährlich. Wer einmal diesen Glücksmoment erlebt, strebt ihn wieder und wieder an. Hinzu kommt, dass Suchtgefährdete versuchen, den verlorenen Einsatz zurück zu erspielen. Deshalb investieren viele Spieler direkt neues und häufig auch mehr Geld, um die bisherigen Verluste wieder ausgleichen zu können. Ein Teufelskreis, denn die Bank gewinnt bekanntlich immer. Und gerade bei Online-Glücksspielen und -Sportwetten können auch Minderjährige leicht mitzocken (siehe Teil 1 vom 21. März 2017).

So erkennt ihr, ob jemand auf dem Weg in die Spielsucht ist

Süchtige verändern Stück für Stück ihr Freizeitverhalten. Sie ziehen sich immer mehr zurück, vernachlässigen Freunde oder gehen nicht mehr zum Sport und verbringen stattdessen die Zeit in (virtuellen) Wettbüros und Spielotheken. Die schulischen Leistungen verschlechtern sich, und bei dem Entzug von Internetnutzung reagieren sie depressiv, aggressiv oder handgreiflich. Hinzu kommt, dass Spielsüchtige meistens pleite sind und deshalb oft in ihrem näheren Umfeld um Geld fragen.

Was könnt ihr tun?

Wenn euch bei jemandem die oben genannten Symptome auffallen, solltet ihr denjenigen behutsam darauf ansprechen. Weist ihn oder sie darauf hin, welche Hilfe in Anspruch genommen werden kann, um die Spielsucht zu überwinden. Wenn derjenige blockiert, sprecht dessen Eltern an, um sie auf das Problem aufmerksam zu machen. Lieber eine „Petze“ sein, als mitanzusehen, wie der Spielsüchtige in die Schuldenfalle läuft und am Ende keinen Ausweg mehr weiß.

Es gibt verschiedene Beratungsstellen, die ihr bei Spielsucht in Anspruch nehmen könnt. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet sowohl für suchtbetroffene Jugendliche als auch für Angehörige Informationsbroschüren an, in denen unter anderem über die Entstehung von Glücksspielsucht aufgeklärt wird, also welche Gefahren mit der Sucht verbunden sind und welche Anlaufstellen es gibt. Ebenso enthalten die Broschüren einen Selbsttest zur Einschätzung des eigenen Glückspielverhaltens. Für Eltern, die sich Sorgen um ihr Kind machen, gibt es zum Beispiel ELSA – Elternberatung bei Suchtgefährdung und Abhängigkeit von Kindern und Jugendlichen.

Aber nicht nur im Internet gibt es Hilfe. Auch in den meisten Städten gibt es vor Ort Beratungsstellen, die auf Spielsucht spezialisiert sind, z. B.:

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet einen Beratungsstellenfinder an, bei dem ihr nach Selbsthilfegruppen, Beratungsstellen und Kliniken in eurer Nähe suchen könnt.

Wer sich unsicher ist, ob er selbst von Spielsucht betroffen ist: Auf der Webseite check-dein-spiel.de der BZgA könnt ihr einen Selbsttest machen, ob ihr möglicherweise süchtig nach Glücksspielen seid.

(Autorin: Laura Bytof)

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DasTelefonbuch - Alles in einem

Ichimnetz.de ist ein Weblog für Jugendliche und junge Erwachsene zum Thema Selbstdarstellung im Internet. Hinter dem Blog stehen die Verlage von Das Telefonbuch, die damit die Verbesserung der Medienkompetenz bei Jugendlichen fördern möchten.

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